"In den übervölkerten Favelas
von Rio herrscht Krieg. Ein Krieg, den hauptsächlich Kindersoldaten
führen. Im Auftrag konkurrierender Drogenbosse dealen, foltern, töten
Minderjährige für ein paar Euro täglich und für die
Hoffnung auf eine Karriere in einem der unkontrollierbaren Drogenkartelle.
"
Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer,
ein Film von Thomas Aders Stand: 10.11.2011
| .... | "Carlos Pereira hat es weit gebracht.
Mit gerade mal 14 ist er schon ein alter Hase im Drogengeschäft. Seine
Chefs vom Terçiero Comando, der zweitgrößten Mafiagang
Rios, sind stolz auf ihn. Das ist viel wert in Vila Aliança, dem
Armenquartier im Norden Rios, wo Carlos lebt. Das Dritte Kommando hat die
Favela voll im Griff. Wer dazu gehört, hat in den Straßen des
Viertels das Sagen. Und Carlos gehört dazu, schon seit drei Jahren.
Der schmächtige Teenager hat sich bewährt. Seit kurzem ist er
zum Olheiro, zum Aufpasser, aufgestiegen. Mit einer großkalibrigen
Pistole im Gürtel und einem Funkgerät am Ohr steht er Posten
an einem strategisch wichtigen Punkt der Favela. Carlos wacht darüber,
dass die Geschäfte des Syndikats reibungslos laufen und nicht durch
Übergriffe rivalisierender Gangs oder Razzien der Drogenfahndung gestört
werden.
Der Job ist wichtig, gefährlich und cool. .... Carlos Coolness kommt von der 9-Millimeter-Pistole, vom Wunsch, für voll genommen zu werden und vor allem vom Marihuana, das er wie alle hier in großen Mengen konsumiert. Die Droge hält wach, dämpft den Hunger, hilft gegen die Kälte und sie lässt das Gewissen schlummern. |
Denn Skrupel sind so ziemlich das Letzte,
was die zigtausend Kindersoldaten in den Favelas von Rio brauchen. Mit
Skrupel und Gewissen lassen sich die Jobs der Drogenbosse nicht erledigen.
Dealen, foltern, morden und sterben, das funktioniert einfach besser, wenn
das Gewissen schweigt. Und es muss schweigen, denn für Carlos und
die vielen anderen halbwüchsigen Soldados der Mafia gehören Rauschgift,
Prostitution, Raub, Menschenhandel und Gewalt zum Alltag. Doch
früher oder später werden die meisten von ihnen selbst ein Opfer
jener Gewalt, die sie im Namen der Rauschgiftsyndikate säen. Viele
der halbwüchsigen Clankrieger sterben einen gewaltsamen Tod in den
Kämpfen rivalisierender Gangs oder in Gefechten mit der Polizei. Der
Film porträtiert den 14-jährigen Kindersoldaten Carlos, der im
Armenviertel Vila Aliança von Rio als Aufpasser für die Drogenmafia
arbeitet.
Bild- und Textquelle: BR alpha, http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/schulfernsehen/kindergangster-von-rio104.html
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